Katze Sophie

Sophie kam Anfang Mai auf die Welt. Sie ist ein echtes Münchner Kindl und eine echte Katze von der Schwanthalerhöh´.

Ihre Mutter Maui verschwand eines Tages gegen Ende ihrer Trächtigkeit für zwei Tage und als sie zurückkam, war ihr Schwangerschaftsbauch weg. Von den kleinen Miezekatzen keine Spur. Wo soll man jetzt suchen, wo hat Maui ihre Kinder versteckt?

Glücklicherweise haben die Babies sich selbst bemerkbar gemacht: sie schrieen jämmerlich, wohl vor lauter Hunger, und so entdeckte sie ein Mitarbeiter des italienischen Großhändlers zwischen Kisten mit Pasta und Vino.

Benjamin, Mauis Beschützer, war sehr erleichtert, als er die Kleinen zurück zu Mama Maui bringen konnte.
In den folgenden acht Wochen gediehen die vier Kätzchen prächtig, nur Maui sah richtig mitgenommen aus von ihren Mutterpflichten.

Meine Nachbarin Afra hatte mir im April erzählt, dass Maui wieder Nachwuchs erwartet. Ich hatte schon im Jahr zuvor händeringend nach einem kleinen Schmusekätzchen gesucht, nachdem das „Trauerjahr“ für meine 2006 verstorbene geliebte Cocolina vorbei war.

Ich war wieder bereit auf ein neues Abenteuer mit einer anderen Katze. Diesmal sollte es aber ein Baby sein, damit ich von frühester Kindheit die Bezugsperson für dieses Kätzchen bin. Außerdem sind Babykatzen unwiderstehlich süß.

Diesen Sommer 2008 sollte es endlich so weit sein. Ich fieberte dem Tag entgegen, an dem ich die Kleine nach Hause nehmen darf. Im Geschäft für Tierbedarf konnte ich nicht widerstehen und erstand lange bevor die Sophie zu mir kam einige Spielzeuge, ein Bettchen, einen Tunnel zum Rumtollen etc.

Ich durfte die kleinen Kätzchen nicht sehen, denn Benjamin wollte jeden Trubel vermeiden und sie in Ruhe aufwachsen lassen. So kleine Wesen erregen in der Nachbarschaft ganz schnell großes Interesse und jeder will sie begutachten und anfassen. Es wäre ein einziges Kommen und Gehen geworden. Also musste ich mich in Geduld fassen, bis die ersten acht Wochen vergingen.

Anfang Mai rief mich Benjamin an und ich eilte mit einem Katzenkorb ausgerüstet zu ihm. In einer Hinterhofwerkstatt durfte ich nun einen Blick auf die Katzenfamilie werfen. Vier kleine Kätzchen kuschelten aneinander in ihrem Bettchen, eins schöner als das andere und komplett unterschiedlich: ein schwarzes, ein graues, ein rotes und ein dreifarbiges Knäul schliefen friedlich. Nur die dreifarbige Glückskatze wurde wach, beäugte den fremden Besucher misstrauisch und neugierig zugleich. Es war meine Sophie!

Als Benjamin versuchte, sie zu fangen, kroch Sophie in den entferntesten Winkel ihres Bettes und wehrte sich gegen die Ruhestörung. Mit den Worten „Leider muß ich jetzt die Katzenfamilie auseinander reißen“ nahm er die Sophie und setzte sie in meinen Katzenkorb. Ich hatte bis dahin noch nicht realisiert, dass dieses putzige kleine Wesen in Zukunft in meiner Obhut leben wird. Ich konnte sie mir noch nicht mal genau anschauen, aber zu Hause würde ich alle Zeit der Welt dafür haben.
Fortsetzung folgt
Autor: ISA 09.01.2009 – 458 Wörter
Fortsetzung: Katze Sophie